Lumbalpunktion beim Verdacht auf MS: das erwartet dich

Lumbalpunktion beim Verdacht auf Multiple Sklerose (MS)

Soll bei dir eine Lumbalpunktion durchgeführt werden und du fragst dich, was da überhaupt gemacht wird und ob es weh tut?

Über Google kommen viele Besucher hierher, die nach Informationen zum Thema Lumbalpunktion bei Multipler Sklerose suchen. Diese Untersuchung ist ein typischer Bestandteil der MS-Diagnostik. Da auch ich eine solche Liquorpunktion hinter mir habe, teile ich hier meine eigenen Erfahrungen sowie einige Informationen mit dir.

Disclaimer: Bitte beachte, dass ich keine Medizinerin bin und nur schildern kann, was ich selber erlebt habe.

Was ist eine Lumbalpunktion?

Bei einer Lumbalpunktion wird mit einer langen, hohlen Nadel in den unteren Bereich deines Rückens gestochen, um auf Höhe der Lendenwirbelsäule etwas Nervenwasser aus deinem Rückenmark zu entnehmen.
Dieses sogenannte Liquor umgibt dein Hirn und dein Rückenmark.

Anschließend wird im Labor untersucht, ob sich darin Blut, Bakterien oder Hinweise auf aktuelle oder auch frühere Entzündungen finden.

Was wird mit einer Lumbalpunktion untersucht?

Die Liquordiagnostik wird angewandt, wenn ein Verdacht auf bestimmte Erkrankungen vorliegt: etwa Leukämie, Borreliose, Hirnhautentzündung (Meningitis), Hirnentzündung (Enzephalitis), Rückenmarkentzündung (Myelitis) – oder eben auf Multiple Sklerose, so wie bei mir damals.

Bei mir fanden sich im Nervenwasser die sogenannten oligoklonalen Banden, die ein typisches Zeichen für MS sind.

Wird eine Lumbalpunktion ambulant gemacht oder stationär im Krankenhaus?

Bei mir wurde die Lumbalpunktion im Krankenhaus durchgeführt, als ich während meines ersten großen MS-Schubs stationär aufgenommen wurde.

Es gibt aber auch einige Arztpraxen, die diese Untersuchung ambulant durchführen, sodass du danach nach Hause kannst. Aufgrund potentieller Kreislaufprobleme solltest du in diesem Falle aber unbedingt jemanden mitnehmen, der dich begleitet und auch nach Hause fährt!

Wie lange dauert eine Lumbalpunktion?

Etwa eine Viertelstunde lang.

Zuerst wirst du gebeten, dich mit einem gekrümmten Rücken – wie einem Katzenbuckel – bequem zu positionieren. Das geht entweder im Liegen auf der Seite oder im Sitzen und ist wichtig, damit deine Wirbelkörper möglichst weit auseinander gezogen werden und die Nadel gut eindringen kann. Ich saß dabei auf der Bettkante und habe mich über ein großes Kissen gebeugt.
Dann wird die Nadel eingeführt und das Nervenwasser tropft darüber langsam in ein Röhrchen.
Am Ende gibt’s ein Pflaster drauf und schon bist du fertig.

Falls die Untersuchung ambulant durchgeführt wird, musst du anschließend noch einige Stunden zur Beobachtung in der Praxis bleiben.

Tut eine Lumbalpunktion weh?

Nein – es piekst nur kurz ein bisschen, wie beim Blutabnehmen.

Was muss ich vor und nach einer Lumbalpunktion beachten?

Vor einer Lumbalpunktion solltest du ausreichend viel trinken, um deinen Kreislauf auf die Untersuchung vorzubereiten.

Und danach: bleib auf dem Rücken liegen! Diesen Tipp ganz ich dir nur ganz, ganz dringend ans Herz legen. Mir hat man das damals auch gesagt und ich habe es, ehrlich gesagt, nicht sonderlich ernst genommen. Ergo setzte ich mich alsbald im Bett auf und tippte im Sitzen auf meinem Handy herum. Zuerst habe ich auch nichts gemerkt. Nach einer Weile bekam ich allerdings die heftigsten Kopfschmerzen meines Lebens und massive Kreislaufprobleme: hello, postpunktuelles Syndrom!

Was ist das postpunktuelle Syndrom?

In Folge einer Lumbalpunktion können Kopfschmerzen, niedriger Blutdruck, Übelkeit und ein hoher Puls auftreten. Ich habe das volle Breitseite abbekommen und es ging mir mehrere Tage lang wirklich dreckig. Es fühlte sich an, als würde mein Gehirn ins Rückenmark gesaugt. Ich hatte stechende Kopfschmerzen, mein Kreislauf machte selbst den Gang zur Toilette zur Herausforderung. Ich konnte fast nur liegen und habe mich sonst übergeben, und ich musste im Rollstuhl zu den übrigen Untersuchungen gefahren werden.

Ich will dir keine Angst machen, aber nimm die potentiellen Folgen einer Lumbalpunktion bitte ernst und gönn deinem Körper wirklich ganz, ganz viel Ruhe.

Du kannst auch Glück haben und von diesem postpunktuellen Syndrom verschont bleiben – ich wünsche es dir wirklich!

Kann ich nach einer Lumbalpunktion duschen gehen?

Grundsätzlich ja. Nach der Punktion bekommst du ein kleines Pflaster auf die Einstichstelle und kannst damit dann ganz normal duschen gehen.
Allerdings kann es sein, dass dein Kreislauf nach der Lumbalpunktion mehrere Tage lang im Eimer ist. Ich bin ein sehr sturer Mensch und bin am Morgen nach meiner Untersuchung duschen gegangen. Long story short: es war keine gute Idee und hätte fast damit geendet, dass ich splitterfasernackt diese Alarmklingel hätte betätigen müssen. 🙈

Kann MS auch ohne Lumbalpunktion diagnostiziert werden?

So unterschiedlich die möglichen Symptome bei Multipler Sklerose sind, so komplex ist auch die Diagnosestellung. Die Liquoruntersuchung bildet dabei einen wichtigen Baustein – zusammen mit dem Fragen nach deiner Krankengeschichte (Anamnese), MRT-Scans, dem Testen deiner Nervenleitfähigkeit und einigen weiteren Untersuchungen.

Wie lange wird man nach einer Lumbalpunktion krankgeschrieben?

Da ich damals ohnehin aufgrund eines MS-Schubs längere Zeit im Krankenhaus war, weiß ich nicht, wie lange man sonst ohne akute Symptome nur aufgrund der Lumbalpunktion krankgeschrieben wird.

Aufgrund meiner Erfahrungen mit dem postpunktuellen Syndrom kann ich dir aber nur raten, dich mindestens drei Tage lang krankschreiben zu lassen, wenn nicht gar für eine ganze Woche. Und dann lass es wirklich extrem ruhig angehen und bleib im Bett liegen – so nervig das auch ist. Aber glaub mir, diese massiven Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme willst du definitiv nicht riskieren! Und damit kannst du auch tatsächlich nicht arbeiten, selbst wenn du so wie ich einen Bürojob hast und „nur“ am Rechner sitzt.


Ich hoffe, damit konnte ich deine Fragen rund um die Lumbalpunktion beim Verdacht auf MS beantworten.

Ich wünsche dir alles Gute! 🍀