Gut vorbereitet auf deinen Neurologen-Termin bei MS

Überweisung für einen Kontrolltermin beim Neurologen bei MS

Mit Multipler Sklerose bist du regelmäßig beim Neurologen. Wie läuft so ein Termin ab und wie kannst du dich darauf vorbereiten?

Diese regelmäßigen Kontrollen stehen alle paar Monate bis einmal im Jahr an. Ziel ist es, den Verlauf deiner MS zu beobachten und das Behandlungskonzept entsprechend anzupassen. Du kannst Fragen stellen oder Themen ansprechen, bei denen du ärztliche Unterstützung benötigst.

Was muss ich mitbringen?

Für einen Termin beim Neurologen benötigst du eine Überweisung von deinem Hausarzt.

Wenn du zum ersten Mal in einer Praxis bist, ist es für den Neurologen bzw. die Neurologin wichtig, deine Vorgeschichte zu erfahren. Pack dazu alles an Arztbriefen, Befunden, MRT-Aufnahmen & Co. ein, was du hast.
In der Regel werden die CDs mit den MRT-Bildern am Empfang eingelesen und du kannst sie nach dem Termin wieder mit nach Hause nehmen.

Während so eines Gesprächs bist du vielleicht nervös oder dir wabert der gute alte Brainfog durchs Hirn. Mach dir daher im Vorfeld Notizen auf dein Handy oder ein Blatt Papier: damit ersparst du dir den Stress, dich im Termin an bestimmte Daten erinnern zu müssen und du vergisst auch nichts anzusprechen. Weiter unten habe ich dir eine Checkliste zusammengestellt, die du als Vorlage nutzen kannst.

Da ich mein Siebhirn kenne 🙂 , habe ich auch immer einen Stift und ein Notizheft dabei. Dann kann ich Hinweise, Namen und so weiter direkt im Termin mitschreiben und vergesse nichts.

Wenn du Hilfsmittel wie Orthesen nutzt, bring auch die mit. Dann kann der Arzt / die Ärztin prüfen, wie du mit ihnen zurechtkommst und wie ohne.

Wie läuft der Termin ab?

Meistens besteht ein Termin beim Neurologen aus einem Gespräch sowie einigen Untersuchungen. Die meisten neurologischen Untersuchungen können direkt vor Ort in der Praxis durchgeführt werden. Kläre aber vorher ab, ob du im Vorfeld ein MRT machen lassen sollst.

Im Gespräch wirst du nach dem Verlauf der letzten Monate gefragt: wie geht es dir? Wie entwickeln sich deine Symptome? Hat sich etwas verbessert oder verschlechtert oder sind vielleicht neue Symptome aufgetreten? Scheu dich nicht, alles anzusprechen – auch wenn du dir vielleicht nicht sicher bist, ob manche Beschwerden überhaupt etwas mit der MS zu tun haben oder nicht. Es geht um dich als Gesamtpaket.

Das gilt auch für unangenehme Themen wie Blasenfunktionsstörung & Co. – trau dich, sie zu erwähnen. Denn hey, du bist garantiert nicht der oder die Erste, die das bei genau diesem Arzt in genau diesem Behandlungszimmer anspricht. Und nur sprechenden Menschen kann geholfen werden. Also Augen zu und durch!

Es kann sein, dass dir (andere) Medikamente empfohlen werden. Wichtig ist: du musst das nicht hier und jetzt direkt im Termin entscheiden! Nimm dir die Zeit, um in Ruhe die Patienteninformationen des Pharmaherstellers zu lesen, Erfahrungsberichte oder Zweitmeinungen von deinem Hausarzt oder einem anderen Arzt einzuholen und das Für und Wider der Nebenwirkungen für dich abzuwägen.
Das Rezept kannst du dir anschließend immer noch ausstellen lassen, das geht bei vielen Ärzten auch telefonisch oder sogar über eine App.

Einige der Untersuchungen führt der Neurologe meist direkt selber im Behandlungszimmer durch, andere erfordern spezielles Equipment und finden bei Praxiskollegen statt.
Was beispielsweise oft gemacht wird, um deine motorischen und koordinativen Fähigkeiten, deine Sensibilität sowie deine Gehirnnerven zu prüfen:

  • Kannst du auf einer geraden Linie / Fuge laufen?
  • Kannst du mit geschlossenen Augen deinen Zeigefinger auf deine Nase legen?
  • Kannst du mit den Augen einen sich bewegenden Finger verfolgen, ohne den Kopf zu drehen?
  • Funktionieren die Reflexe in deinen Knien?
  • Wenn du mit deinen Händen oder Beinen gegen die Hände des Arztes drückst, hast du da links und rechts gleich viel Kraft?
  • Spürst du Berührungen auf der Haut?

Wie gut deine Reizweiterleitung funktioniert, wird mit den sogenannten Evozierten Potentialen gemessen. Dazu wirst du am Kopf, den Händen und Füßen verkabelt und erhältst leichte Stromschläge. Das ist etwas unangenehm, tut aber nicht wirklich doll weh.

Ob dein Sehnerv richtig funktioniert, wird mit Visuell Evozierten Potentialen gemessen: auch hier bekommst du Kabel an den Kopf geklebt, du musst dann aber nur auf einen Bildschirm mit einem Schachbrettmuster und einem Punkt starren. Tut gar nicht weh. 🙂

Wenn du bereits Medikamente nimmst oder mit einer Therapie begonnen werden soll, nimmt man dir meistens auch Blut ab. Das ist wichtig, um deine Werte im Auge zu behalten.

Checkliste für deinen Termin beim Neurologen

Nutz die folgenden Fragen, um dich auf deinen nächsten Termin beim Neurologen vorzubereiten – egal ob du zum ersten Mal zu einem neuen Arzt gehst oder ob einfach dein regelmäßiger Check-Up ansteht.

Erstgespräch: deine Krankengeschichte

  • Seit wann hast du die MS-Diagnose?
  • Wann hattest du Schübe und mit welchen Symptomen gingen sie einher?
  • Welche Symptome haben sich wieder zurückgebildet, welche hast du aktuell?
  • Hast du noch andere Krankheiten neben der MS?
  • Welche Medikamente nimmst du (aufgrund der MS oder wegen anderer Beschwerden)? Wie kommst du mit etwaigen Nebenwirkungen zurecht?

Die letzten Monate

  • Welche Symptome hast du?
    Von Fatigue, Konzentrationsschwierigkeiten und Wortfindungsproblemen über Schmerzen, Muskelprobleme (Schwäche, Verspannung, Spastik, Tics & Zucken, …) oder Sensibilitätsstörungen bis hin zu Problemen auf Klo oder im Bett. Die MS ist ja bekanntlich eine Wundertüte mit tausend möglichen Symptomen. Am besten fängst du mit dieser Liste schon ein paar Tage oder sogar Wochen vor dem Termin an und ergänzt sie regelmäßig – sonst vergisst man einfach das ein oder andere.
  • Wann treten deine Symptome auf / erkennst du einen Zusammenhang mit Auslösern? Hitze beispielsweise kann im Rahmen des Uhthoff-Phänomens oft MS-Symptomatiken triggern oder verstärken.
  • Hattest du Schübe? Wie lange, wie wurden sie behandelt (etwa mit Kortison)?
  • Hast du eine schleichende Verschlechterung von etwas festgestellt?
  • Hat sich etwas verbessert?
  • Machst du Physiotherapie, Ergotherapie oder dergleichen?
  • Kommst du mit deinen Hilfsmitteln gut zurecht? Fragst du dich, ob zusätzliche Hilfsmittel (Orthesen, Rollator, Rollstuhl, …) sinnvoll wären oder hast einen konkreten Bedarf?

Deine Fragen

  • Gibt es Symptome oder Nebenwirkungen, die du nicht richtig einordnen kannst?
  • Wenn du ein MRT hast machen lassen: wie sehen die Befunde aus? Hat sich etwas verändert?
  • Hast du Neuigkeiten aus der MS-Forschung gelesen, die du mit deinem Arzt besprechen möchtest?
  • Steht bei dir eine Reise, eine größere OP oder sonst etwas an, für das du ärztlichen Rat in Bezug auf die MS einholen möchtest?

Generell kann es auch hilfreich sein, wenn du eine vertraute Person bittest, mit zum Neurologen zu kommen und im Gespräch dabei zu sein. Vier Ohren hören mehr als zwei, und manchmal ist es auch leichter, wenn jemand anders unangenehme Themen anspricht oder kritische Fragen stellt.
Aufgrund der Pandemie ist es aktuell leider meist nicht erlaubt, eine Begleitperson mit in die Praxis zu nehmen – aber das wird sich irgendwann sicher auch wieder ändern.


Alles Gute für deinen nächsten Termin beim Neurologen! 🙂